Im Interview mit unserem pensionierten Nähmaschinenmechaniker

Persönliches

Was ist Ihr erlernter Beruf?
Ich habe nach meinem Schulabschluss Nähmaschinenmechaniker bei der Firma TRIGEMA gelernt.

Wie sind Sie gerade auf diesen Beruf gekommen?
Ursprünglich wollte ich eigentlich Automechaniker werden. Aber früher war das noch ein wenig anders als heute. 1965 hatte TRIGEMA noch eine Filiale in Ringingen und es war Gang und Gebe, dass die Firmen bei Schulabgängern Zuhause klingelten, um sie für ihren Betrieb anzuwerben.
Der Vater von Herrn Grupp kam also damals zu meiner Mutter und erkundigte sich, ob ich schon eine Stelle habe. Da das nicht der Fall war, bot er mir eine Stelle als Nähmaschinenmechaniker bei TRIGEMA an und ich sagte zu.

Wie lange waren Sie bei TRIGEMA beschäftigt?
Am 20. April 1965 hatte ich meinen ersten Arbeitstag – also jetzt sind es 50 Jahre.

50 Jahre in einem Betrieb – würden Sie das wieder machen?
Ja, das ist schon eine lange Zeit, aber wenn das Gesamtpaket stimmt, was Umfeld und Kollegen betrifft, geht man ja gerne hin.
Vor einigen Jahren habe ich ein Angebot erhalten bei einer anderen Firma zu arbeiten und dieses glücklicherweise abgelehnt – diese war ein paar Jahre später insolvent.

Wieso kommen Sie immer noch in die Firma?
Meine jüngeren Kollegen und Nachfolger wurden erst vor 1,5 Jahren eingelernt. Die beiden wissen zwar schon ziemlich gut Bescheid, aber sobald es in die Tiefe geht, wird es doch sehr komplex. Ich bin einfach noch hier, um sie zu unterstützen.

Nähmaschinen

TRIGEMA Nähmaschine Singer

Älteste TRIGEMA Nähmaschine

Was fasziniert Sie so an Nähmaschinen?
Anfangs war die Faszination noch gar nicht so groß, aber mittlerweile würde ich ganz klar sagen, dass es die Technik ist, die mich so fasziniert. Im Laufe der Jahre hat die Nähmaschine einen so großen Wandel durchgemacht. Von einer einfachen Maschine zu einer vollautomatischen Maschine.

Wie lang ist die generelle Wartungszeit?
Kann man so gar nicht sagen. Eine neue Maschine ist weitgehend wartungsfrei. Eine Stickmaschine hingegen wird jedes Jahr einer großen Inspektion unterzogen. Die anderen Maschinen werden gewartet, wenn sie defekt sind.

Erinnern Sie sich an bestimmte Anekdoten oder unvergessliche Vorfälle im Nähsaal?
Ja, da gab es einmal einen Vorfall mit zwei Mitarbeiterinnen. Sie waren mit ihren jeweiligen Nähmaschinen unzufrieden. Nachdem wir Mechaniker schon nach Hause gegangen waren, haben beide ihre Maschinen mit anderen Maschinen vertauscht. Dadurch, dass aber jede Maschine eine andere Drehrichtung hat, sind die Maschinen falsch gelaufen und waren schlussendlich defekt. Zunächst haben sie versucht, die Maschinen wieder einfach an ihren ursprünglichen Platz zurückzustellen, haben dann aber festgestellt, dass das die Maschinen auch nicht zum Laufen bringt.
Am nächsten Tag mussten sie uns dann alles beichten, da nur wir die Maschinen wieder reparieren konnten – und es ist die Wahrheit ans Licht gekommen.

Wie viele Nähmaschinen haben wir bei TRIGEMA?
Zurzeit haben wir in Burladingen 235 Maschinen, in Altshausen 299 Maschinen und in Rangendingen 192 Maschinen. Also insgesamt sind momentan 762 Maschinen im Einsatz.

Was für verschiedene Nähmaschinen haben wir?
Ganz grob gesagt haben wir sogenannte Steppstichmaschinen und Kettenstichmaschinen in unseren Werken in Gebrauch. Die Kettenmaschinen kann man noch in
•    Börtelmaschinen
•    Rohnähmaschinen
•    Saummaschinen
•    Bandaufnähmaschinen
•    Knopflochmaschinen und
•    Knopfansetzmaschinen
unterteilen.

Des Weiteren verwenden wir auch Automaten, wie
•    offene Saummaschinen
•    Rundsaummaschinen
•    Bundnähmaschinen
•    Stickmaschinen
•    Taschenpaspelmaschinen und
•    Taschenaufnähmaschinen.

Merken

Pin It on Pinterest